Rheumatherapie in Coronazeiten

Hat die Coronapandemie Einfluss auf meine Erkrankung?

Das fragen sich derzeit viele Rheumapatienten. Und bin ich aufgrund der Erkrankung oder der Medikamente, die meine Krankheit in Schach halten, besonders gefährdet? Wir sprachen mit Chefarzt Dr. med. Jochen Lautenschläger, Rheumatologe an der Klinik an der Weißenburg.  

 

Wenn man ehrlich, ist so kann man diese Frage nicht richtig beantworten. Ob eine COVID-19-Erkrankung bei Patienten mit einer entzündlich- rheumatischen Erkrankung schwerer verläuft als bei nicht rheumatisch erkrankten Personen ist ebenso wenig bekannt wie die Antwort auf die Frage, ob die medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems ein zusätzliches Risiko für einen schweren Verlauf darstellt. Die Coronapandemie läuft viel zu kurz, um sichere Antworten auf diese Frage geben zu können.

Trotzdem stehen diese Fragen im Raum. Was raten Sie Ihren Patienten in Bezug auf ihre Medikamente?

Ein generelles Pausieren der Rheumamedikamente oder eine Verringerung der Dosis werden nicht empfohlen, da die Pandemie voraussichtlich länger andauern wird. Nach Absetzen oder Dosisverringerung muss mit einem erhöhten Risiko von Rückfällen oder Schüben der Rheumaerkrankung gerechnet werden.

Was bedeutet das für den Patienten?

Ein Schub einer entzündlichen Rheumaerkrankung erhöht das Risiko für einen Infekt. Deshalb sollten Schübe vermieden werden. Um einen Rheuma-Schub abzufangen, muss das Immunsystem dann wieder unterdrückt werden, und möglicherweise sind dann Dosierungen notwendig, die über denen liegen, die ursprünglich verwendet wurden. Deshalb sollten Patienten, die keine Infektzeichen und keinen Kontakt mit coronavirusinfizerten Patienten hatten, nicht aus Furcht vor einer Infektion die Therapie beenden oder die Dosis verringern. Patienten, die Kontakt zu einer Person mit Coronavirusinfekt hatten, aber selbst frei von Symptomen sind, sollten sich genauso verhalten.

Wie sieht es bei der Einnahme von Kortisonpräparaten aus?

Bei Kortisonpräparaten kann im Einzelfall eine Reduzierung der Dosis bei anhaltend stabiler Einstellung erwogen werden. Patienten, die Kontakt zu einer Person mit Coronavirusinfekt hatten, und die deutliche Infektzeichen zeigen, insbesondere Fieber über 38 Grad, setzen ihre Basistherapie ab und behalten die Dosis der Kortisonpräparate bei. Sie sollten aber einen Abstrich auf das Coronavirus durchführen lassen. Patienten, die Kontakt zu einer Person mit einem Coronavirusinfekt hatten, fieberfrei sind und nur leichte Symptome haben, sollten sich ebenfalls testen lassen.

Was ist mit Patienten, die positiv getestet wurden, aber ohne Infektzeichen sind?

Diese sollten bei den modernen Basistherapien (Biologika, JAK-Kinasehemmer), falls möglich, eine Pause von 5-6 Tagen mit der Basistherapie machen. Methotrexat (MTX) sollte zunächst nicht abgesetzt werden. Auch die Dosis der Kortisonpräparate sollte nicht verändert werden.

Und wenn ein Patient Symptome hat?

Bei positiv getesteten Patienten mit Symptomen sollten alle Basistherapien pausiert werden. Die Dosis der Kortisonpräparate auch hier unverändert gelassen werden. Bei der Einnahme von Leflunomid ist das Pausieren der Einnahme nicht ausreichend. Dieses Medikament muss zusätzlich ausgewaschen werden. Eine Basistherapie mit Hydroxychloroquin sollte aber in keinem der oben genannten Fälle abgesetzt werden. Es sollte konsequent weiter eingenommen werden.

Was ist mit Kontrolluntersuchungen beim Hausarzt oder Rheumatologen? Sollte auf diese derzeit verzichtet werden?

Ganz im Gegenteil. Wer Basismedikamente einnimmt, muss regelmäßig zur Kontrolle. Bei Patienten, die schon sehr lange auf diese Medikamente eingestellt sind, kann bei unauffälligem Verlauf eine Verlängerung des Kontrollintervalls überlegt werden. Patienten, die erst kürzlich mit einer neuen Basistherapie begonnen haben, sollten aber die vorgeschriebenen Kontrollintervalle strikt einhalten.

Vor einiger Zeit wurde in einer Nachricht vor der Einnahme von Schmerzmedikamenten gewarnt. Können Sie das bestätigen?

Nein. Ibuprofen und andere Schmerzmittel können weiterhin eingenommen werden. Auch wer unter hohem Blutdruck oder Herzschwäche leidet, sollte seine Blutdruck- bzw. Herzmedikamente unverändert weiter einnehmen.

Wer Fragen zur stationären Aufnahme hat oder bezüglich eines Termins zur Rheumasprechstunde erreicht unsere Mitarbeiterinnen unter 036742│66 129 (Aufnahme) oder 036742│66 178 (Ambulanz).

Mi
21 Okt
Fit durch Frieren

Referent: Dr.med. Stange, Immanuel KH Berlin

3 Fortbildungspunkte bei der Landesärztekammer Thüringen beantragt

Mi
18 Nov
MBOR- als Bestandteil der Rehabilitation in der Klinik an der Weißenburg

Referent: CA Dr.med. Jens Bade, Klinik an der Weißenburg

3 Fortbildungspunkte bei der Landesärztekammer Thüringen beantragt

Mi
16 Dez
Überblick über Publikationen in der Schmerztherapie aus 2020

Referent: ltd. OA Dr.med. Ronald Krüger, Klinik an der Weißenburg

3 Fortbildungspunkte bei der Landesärztekammer Thüringen beantragt

Haben Sie Fragen? Nutzen Sie unser Kontaktformular

Einige Dienstleistungen können nur mit Hilfe von Cookies gewährleistet werden:
  • Google Maps
  • Google reCaptcha
  • Google Fonts
  • Mamoto
  • YouTube
Mehr dazu, was Cookies sind und wie sie funktionieren, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung. Stimmen Sie der Nutzung der Cookies zu?